Heilwasser von Spa und historische Wasserflaschen

Heilwasser von Spa und historische Wasserflaschen
Heilwirkungen

Die Quellen von Spa waren bereits dem lateinischen Gelehrten und Dichter Plinius dem Älteren im 1. Jahrhundert n. Chr. bekannt. Sie wurden Mitte des 16. Jahrhunderts von Gilbert Fusch, einem am Hof von Lüttich tätigen deutschstämmigen Arzt wiederentdeckt. Im Jahr 1559 veröffentlichte er das lateinische Werk De acidis fontibus Sylvae Arduennae, praesertim eo qui in Spa visitur (Von den sauren Quellen des Ardennerwaldes besonders von der, die in Spa besucht wird), das in mehrere Sprachen, darunter Französisch, übersetzt wurde.

Das eisenhaltige Wasser – „sauer“ aufgrund des Mineraliengehalts – der Quelle Pouhon im Herzen der Ortschaft und der Quelle Sauvenière in der Umgebung von Spa wird von Ärzten bevorzugt. Sie empfehlen es wegen seiner reinigenden, abführenden und harntreibenden Eigenschaften: „Es öffnet die Körperkanäle.“ Die therapeutische Anwendung ist vielfältig: Ausleitung von Melancholie und Phlegma, Austreibung von Nieren- und Blasensteinen, Behandlung von Unfruchtbarkeit, dermatologischen Problemen, Gicht und Geschlechtskrankheiten. Dieses Wasser kann für Bäder, Heilanwendungen und verschiedene Injektionen verwendet werden und eignet sich auch zum Trinken. Es hat auch eine vorbeugende Wirkung: Frischvermählte und Verliebte erfreuen sich an den Thermalbrunnen ...

Auch Henri de Heer, ein berühmter Arzt am bischöflichen Hof, interessierte sich im 17. Jahrhundert für die Quellen von Spa. Er beschrieb sie ausführlich in seinem Werk „Spadacrene“ (1614), das 1616 unter dem Titel „Les fontaines de Spa“ ins Französische übertragen wurde. Das Werk war ein Bestseller und wurde bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts immer wieder aktualisiert und neu aufgelegt.   

Thermalurlaub in Spa oder Kur „zu Hause“?

All diese Abhandlungen über das Heilwasser von Spa und die richtige Anwendung sind für Ärzte und Kurgäste gedacht. So bilden sich die rituellen Abläufe des Thermalbadens in Spa heraus, das sich nun an eine sozioökonomische Elite richtet. Spa ist die Wiege der heutigen Wasser-Wellness, die zunächst nur der Aristokratie vorbehalten war.

Während einige Persönlichkeiten zur Kur nach Spa kamen, darunter der russische Zar Peter der Große im Jahr 1717, ließen sich andere wie der französische König Heinrich III. im 16. Jahrhundert oder König Georg II. von England im 18. Jahrhundert dieses Heilwasser an ihren Hof liefern. Der internationale Handel mit abgefülltem Spa-Wasser erfreut sich seit dem 17. Jahrhundert einer stetig wachsenden Beliebtheit, die bis heute ungebrochen ist.  

Einzigartige Flaschen

Spa-Wasser, ein Exportprodukt par excellence, förderte die Entwicklung der Flaschenindustrie. Die meisten regionalen Glashütten – darunter Bonhomme, Nizet, Verrerie d'Amblève und Verrerie de Chênée – stellten diese Flaschen aus dunklem Glas mit bauchigem Boden, der eventuelle Eisenablagerungen verhinderte, in großer Zahl her. Aufgrund seiner Form musste das Objekt in einem Sockel aus Holz, Metall oder Stein präsentiert werden. 

Während der Export Ende des 16. Jahrhunderts noch auf die Nachbarregionen beschränkt war, ging er im 18. und 19. Jahrhundert schließlich nach ganz Europa und sogar nach Südamerika. Die Engländer waren im 18. Jahrhundert besonders von der Grand Tour* und dem „Eau de Spa“ oder „German Spa“ angetan. Wie aus Archiven hervorgeht, importierten sie Tausende von Flaschen aus Lüttich. Für den Export werden oft Korbflaschen, umgeben von einem Schutzgeflecht aus Binsen, verwendet, um mögliche Stöße während des Transports abzufedern.

Isabelle Verhoeven, Konservatorin der Abteilung für Glas des Grand Curtius

* Traditionelle Bildungsreise durch Kontinentaleuropa der englischen Elite im 18. Jahrhundert.

Video zu den Flaschen:
 

La vidéo - Grand Curtius Liège

 

Weitere Informationen:

Ch. Fontaine-Hodiamont, „Le verre ancien : principes de conservation, d’exposition et d’entretien“, IRPA, Brüssel, 2018.

W. Van den Bossche, „Antique Glass Bottles – Their History and Evolution (1500-1850) – A Comprehensive, Illustrated Guide – With a World-wide Bibliography of Glass Bottles“, 2001.

G. Xhayet, „De la Spadacrene (1614) aux Fontaines de Spa (1616) : un traité liégeois de thermalisme et sa version vulgarisée“. Histoire des Sciences Médicales, 2015, 49 (2), S. 279–287.

G. Xhayet & R. Halleux, „Ernest de Bavière (1554-1612) et son temps : l'automne flamboyant de la Renaissance entre Meuse et Rhin“, 2011, Turnhout, S. 79–89.

Infos

Spa-Wasserflasche

18. Jahrhundert, geblasenes bräunliches Glas, 32,1 cm
Inventar-Nr.: I/1368

Dieses Glas ist stark irisierend: Die Oberfläche schillert in allen Farben des Regenbogens. So attraktiv diese Irisierung auch sein mag, sie zeugt von der Zerbrechlichkeit des Glases, die sich in einer mehr oder weniger starken Abblätterung äußert. Das Schillern zeigt an, dass der Zersetzungsprozess durch Schichtung bereits vorangeschritten ist. Dank einer Behandlung im Königlichen Institut für Kunsterbe (IRPA-KIK) konnte die Oberfläche der Flasche gefestigt werden.

Spa-Wasserflasche in Korbgeflecht
18. Jahrhundert, grünes Glas, 26,1 cm
Inventar-Nr.: 55/33

Da es sich beim Binsengeflecht um organisches Material handelt, zersetzt es sich in instabilen Umgebungen rasch. Früher führte eine zu hohe Luftfeuchtigkeit zur Beschädigung und Versprödung der Verpackung.

Spa-Wasserflasche
18. Jahrhundert, mundgeblasenes, türkis-graues, opakes Glas mit heiß applizierter Kordel um den Flaschenhals, 25 cm
Inventar-Nr.: B/2149

Die Form und Farbe der Flasche zeugen von einer kostengünstigen Herstellung. Beim Brennen veränderten die Schlacken das Aussehen des ursprünglich als transparent dunkelgrün geplanten Glases.

Bildmaterial:

Flaschen, 17. bzw. 18. Jahrhundert – Abteilung für Glas des Grand Curtius – © Stadt Lüttich – Grand Curtius