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Japonismus und Jugendstil

Grand Curtius

Ausstellung „Japonismus und Art Nouveau – 200-jähriges Jubiläum der Glasmanufaktur Cristalleries du Val Saint-Lambert“ (1826–2026) – Museum Grand Curtius, 17.4.2026 > 27.9.2026

Juwel der belgischen Kunsthandwerks- und Industriegeschichte im Rampenlicht

Im Frühjahr 1826 wurde in der Manufaktur Val Saint-Lambert erstmals ein Glasofen befeuert: Der Beginn eines großen menschlichen, wirtschaftlichen, technischen und künstlerischen Abenteuers, das während der Belle Époque seinen Höhepunkt erreichen sollte. Den historischen Werdegang und die Höhepunkte der Kristallglashütte nachzuzeichnen, bietet die Gelegenheit, sowohl ihre herausragende Stellung in der Industrie- und Kunsthandwerksgeschichte Belgiens als auch ihre identitätsstiftende Kraft besser zu verstehen. Zu diesem Anlass hat sich das Grand Curtius in Lüttich mit anderen Museen und wissenschaftlichen Institutionen zusammengetan, um das 200-jährige Jubiläum von Val Saint-Lambert im Rahmen mehrerer Ausstellungen an verschiedenen Orten zu begehen, die zur (Wieder)entdeckung der Geschichte sowie des künstlerischen Schaffens dieser renommierten Manufaktur einladen.

1880–1914 – Das Goldene Zeitalter der Kristallglashütte

Von den 1880er Jahren bis zum Ersten Weltkrieg etablierte sich Val Saint-Lambert als weltweites Aushängeschild: Die Manufaktur verfügte über Maschinen auf dem neuesten Stand der Technik, beschäftigte rund 5.000 Menschen und unterhielt zahlreiche Handelsniederlassungen. Die Teilnahme an internationalen Ausstellungen (u. a. Antwerpen 1894, Turin 1902) fand weithin Beachtung.

Japonismus und Art Nouveau

Die Entdeckung fernöstlicher Kunst, die Ausrichtung von Weltausstellungen und die Verbreitung von auf orientalische und orientalisierende Kunst spezialisierten Geschäften beflügelten ab den 1880er-Jahren die Fertigung von Artikeln mit einer von japanischer Kunst geprägten, überraschenden Ästhetik. Diese Hyalithvasen (eine opalähnliche Glasart), meist aus schwarzem Glas, weisen ein mit Malerei akzentuiertes Golddekor und japanisierende Motive (Geishas, Landschaften) auf.

Das Besondere am Art-Nouveau-Stil der Manufaktur Val Saint-Lambert ist die konsequent moderne Linie, die ab 1897 von Léon Ledru (Paris, 1855 – Lüttich, 1926) geprägt wurde. Dieser Zeichner, der 1888 in das Unternehmen eintrat, wurde 1897 zum Leiter der Kreativabteilung. Seine Kompositionen mit gewagten Farbtönen sowie schwungvollen, dynamischen Formen und Dekoren sind zukunftsweisend und stehen im Einklang mit der Ästhetik zeitgenössischer belgischer Architekten (Van de Velde). Auf der Weltausstellung 1897 in Brüssel präsentiert er seine einzigartigen und originellen Kreationen. Gleichzeitig entwirft er zahlreiche Objekte mit fein kolorierten Blumenmotiven in Ätzgravur.

Darüber hinaus entstehen in der Werkstatt der lothringischen Brüder Eugène und Désiré Muller, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Manufaktur tätig waren, raffinierte Stücke, deren Ästhetik an den floralen Stil von Émile Gallé (Vater des Art Nouveau in Nancy) erinnert. Diese hochkarätigen Produktlinien der Manufaktur zeichnen sich durch völlig unterschiedliche gestalterische und technische Ansätze aus.

Ausstellung im Grand Curtius

Die Ausstellung veranschaulicht anhand von Werken, die im Laufe der Jahre 1880 bis 1914 entstanden, die Bedeutung und Originalität der Akteure der Kreativabteilung der Glashütte sowie das Know-how der Handwerker, die – gemeinsam – ihr internationales Renommee begründeten. Besonderes Augenmerk ist Léon Ledru – einem herausragenden Künstler, Liebhaber orientalischer und orientalisierender Kunst und einer dynamischen Persönlichkeit – gewidmet, der in den Pariser und Lütticher Kunstkreisen verkehrte.

Insgesamt sind rund 150 Werke zu bestaunen, Zeugnisse der ästhetischen Ansätze und Techniken, die Val Saint-Lambert in diesen Jahren erprobt und entwickelt hat. Die Exponate aus dem Bestand des Grand Curtius, von denen einige noch nie ausgestellt wurden, werden durch Leihgaben aus Privatsammlungen ergänzt. Zur Abrundung sind Belle-Époque-Objekte aus dem Fundus der Stadt Lüttich zu sehen: Gemälde, Plakate, Möbel usw. Neben den künstlerischen Kreationen beeinflusst die Ästhetik des Art Nouveau auch die Tafelkultur, Hygiene- und Schönheitsartikel (Frisiertischgarnituren), Dekorationsobjekte und Beleuchtung, da die Fee Elektrizität Einzug in die Häuser hält.

Die Weltausstellungen sind ein wichtiger Impulsgeber. Neben der ästhetischen Gestaltung erleben die Forschung der Spezialisten und die Meisterschaft der Glasbläser, Glasschleifer und Graveure eine Hochblüte. Die monumentale Vase des Neuf Provinces (Vase der neun Provinzen) wurde von Léon Ledru für die Weltausstellung 1894 in Antwerpen entworfen, um die Meisterschaft der Kristallglasmanufaktur zu demonstrieren. Sie ist das Ergebnis komplexer Schliff-, Gravur- und Formtechniken auf höchstem Niveau. Seit 2011 ist dieses einzigartige, aus 85 Elementen bestehende und 200 kg schwere Stück in der Dauerausstellung des Grand Curtius zu sehen. 2017 wurde es in die Liste der Schätze der Föderation Wallonie-Brüssel aufgenommen.

Begleitprogramm

Der museumspädagogische Dienst der Stadt Lüttich bietet begleitend zur Ausstellung ein vielfältiges Programm mit Aktivitäten für alle Altersgruppen.

Praktische Informationen
  • Ausstellung „Japonismus und Art Nouveau“ – 200-jähriges Jubiläum der Glasmanufaktur Cristalleries du Val Saint-Lambert
  • 17. April bis 27. September 2026
  • Montag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr – dienstags und am 1. Mai geschlossen
  • Museum Grand Curtius - Féronstrée 136 – 4000 Lüttich
  • Preise und Ticketverkauf (in Kürze verfügbar)
Bilder

Vase Natal, Veilchendekor - Val Saint-Lambert, um 1900: signiert an der Unterseite (Gravur: Val St Lambert), farbloses, formgeblasenes, rosa überfangenes Kristallglas, Ätzgravur – Copyright:  Stadt Lüttich – Grand Curtius

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